Dreigliedriges Schulsystem oder Gemeinschaftsschule?

Veröffentlicht am 12.07.2011 in Arbeitsgemeinschaften

Unter diesem Titel diskutierten am 7.7.2011 in der Europahalle Karlsruhe knapp 100 Personen aus Schulen, Politik und Gesellschaft über die Änderungen der Schulstruktur, die die neue Landesregierung anstoßen wird.

Als Gäste begrüßte die Arbeitsgemeinschaft Bildung der SPD Karlsruhe auf dem Podium den parlamentarischen Staatssekretär im Kultusministerium Dr. Frank Mentrup, die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Prof. Dr. Liesel Hermes und den geschäftsführenden Schulleiter der Karlsruher Gymnasien Hugo Oettinger. zum Flyer

Kontroverse Diskussion

Nach einer kurzen Begrüßung durch den SPD-Kreisvorsitzenden Johannes Jung stellte sich im Zuge der Diskussion heraus, dass zu wenig Lehrerinnen und Lehrer und zu schlecht ausgestattete Schulen Kern der Bildungsmisere der Bundesrepublik seien. Dennoch machten Hermes und Mentrup beide deutlich, dass die Ziele der Einführung der Gemeinschaftsschule über den Aspekt der individuellen Förderung und damit Leistungssteigerung hinausgingen. Insbesondere erhoffen sich die Befürworter der Gemeinschaftsschule einen besseren sozialen Zusammenhalt in den Klassenverbänden und dadurch auch in der späteren Gesellschaft. Ebenso kann die Gemeinschaftsschule im ländlichen Raum Standorte vor Ort erhalten. Wichtig war beiden auch, dass die Gemeinschaftsschule freiwillig eingeführt wird, also nur auf individuellen Wunsch von Schulen und Kommunen. Diesen positiven Aspekte wurden aber auch Bedenken entgegen gehalten. Die Kritiker der Reform fürchten, dass begabte Schülerinnen und Schüler zu wenig gefördert werden und sich in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern die aktuelle Schwäche der Abiturienten noch verschärfen wird. An einigen Hochschulen würden inzwischen ganze Vorkurssemester angeboten, um die Defizite der Studienanfänger aufzufangen. Ebenso wurde auf die Gefahr eines wachsenden Privatschulsektors hingewiesen, wie er in einigen Ländern mit ausgeprägtem Gemeinschaftsschulsystem existiere. Die Privatisierung der Schulen stünde aber in massivem Widerspruch zu den erklärten Zielen der Gemeinschaftsschulbefürwortern.

Konkrete Schritte zur Gemeinschaftsschule

Zur konkreten Ausgestaltung der Gemeinschaftsschule sicherte Dr. Frank Mentrup die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung zu sowie die Unterrichtung von Lehrenden aller Schularten in der Gemeinschaftsschule. Ebenso solle es mehr Vollzeitlehrerstellen statt Teilzeitkräfte an den Schulen geben, da eine Gemeinschaftsschule nur als Ganztagsschule mit mehr Anwesenheitsstunden funktionieren könne. Mentrup stellte klar, dass es keine Abstriche in den Ansprüchen an die Abschlüsse geben werde, sondern die Lehrpläne im Gegenteil mit Hilfe der Erfahrung Externer, wie z.B. den Hochschulen, verbessert werden sollen, indem z.B. auch ein Grundstock an Wissen definiert wird. Gemeinschaftsschulen können nach der Änderung im Schulgesetz ab dem Schuljahr 2012/13 genehmigt werden. Alle Schulen können sich jedoch sofort auf den Weg machen und individuelle Konzepte entwickeln. Begleitet werden Sie von Seiten des Kultusministeriums von dem Personal einer eigenen, neu geschaffenen, Stabsstelle.

Finanzierungslücken schließen

Zur Verbesserung der Durchlässigkeit im Dreigliedrigen System will die neue Landesregierung ab 2012/13 einen Rechtsanspruch auf den Besuch eines Beruflichen Gymnasiums bei entsprechenden Voraussetzungen einführen. Es muss jedoch vorher die Finanzierungslücke, die die schwarz-gelbe Landesregierung hinterlassen hat, geschlossen werden, so Mentrup. Geschehen soll dies über Anhebung der Grunderwerbssteuer, aus deren Mehreinnahmen auch die zusätzlichen Ressourcen für die Gemeinschaftsschule gedeckt werden sollen.

Modelle für Karlsruhe anpassen

Das Schlusswort führte der Karlsruher SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober, der betonte, dass die Gemeinschaftsschule nicht nur im ländlichen Raum Vorteile brächte, sondern mit ihrem pädagogischen Konzept auch in Großstädten wie Karlsruhe die Sozialstruktur positiv beeinflussen könne. Symbolisch dafür steht die Karlsruher Modellschule, die Eltern, Schüler und Lehrer seit mehreren Jahre in der Karlsruher Südstadt-Ost einrichten wollen.

Die SPD-Karlsruhe unterstützt die freiwillige flächendeckende Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg. Konzepte für die Umsetzung in Karlsruhe liegen vor und können nun umgesetzt werden. Die SPD-Gemeinderatsfraktion und Johannes Stober stehen ihnen für Fragen zur Gemeinschaftsschule in Karlsruhe gerne zur Verfügung. zum Bericht BNN vom 9.7.2011

gez. Arbeitsgemeinschaft Bildung SPD Karlsruhe, Noah Fleischer

 
 

Homepage Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) Karlsruhe

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