Anfrage - Anlegen von Wildblumenrasen

Veröffentlicht am 15.09.2020 in Anträge

Gibt es zur Herstellung von Grünfl.chen in der Stadt Karlsruhe Konzepte, öffentliche Grünflächen als insektenfreundliche Habitate herzurichten bzw. werden in der Stadt Karlsruhe bereits gezielt Grünflächen hergerichtet?

In Wolfartsweier scheinen Grünfl.chen wie z.B. in der Wettersteinstraße oder entlang der Steinkreuzstraße für eine solche Fläche geeignet.

  1. Hat das Fachamt diese Flächen schon untersucht?
  2. Gibt es weitere Flächen die geeignet scheinen?
  3. Wie stellt sich der Pflegeaufwand gegenüber einer normalen Rasenfläche dar?

Erläuternde Ausführungen:

Vorbemerkung:

Seit einigen Jahren wird von verschiedenen Naturschutzverbänden, von Politik und Gesellschaft das Anlegen von Blumenwiesen zum Schutze der Insekten gefordert. Das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe hat sehr früh damit begonnen, auf öffentlichen Grünanlagen und bei Neubauten von Geschäfts- und Wohngebäuden Blumenwiesen anzulegen. Die Erfahrungen des Gartenbauamtes (GBA) zeigen, dass das Anlegen von Blühflächen sehr differenziert betrachtet werden muss. Beispielsweise haben sich Ansaaten von Blühflächen bei Neubauten bewährt, um Flächen, auf welchen Erdarbeiten stattgefunden haben, zu rekultivieren.

Die Expertinnen und Experten des Gartenbauamtes und des Umweltamtes sehen jedoch Ansaaten von Blumenwiesen auf vorhandenen Wiesenflächen sehr kritisch. Die meisten Wiesen haben im Boden einen Wildblumensamenspeicher, der beim Anlegen einer Blühwiese aufgrund der notwendigen Fräsarbeiten teilweise zerstört wird. Die im Boden schlummernden Wildsamen können durch eine extensive Wiesenpflege reaktiviert werden. Das heißt, die Wildblumen kehren meist schon wenige Jahre nach der Umstellung der Pflege zurück und bilden eine standortgerechte, stabile Pflanzengemeinschaft. Im Unterschied zur eingesäten Blumenwiese bleiben bei einer natürlich gewachsenen Wildblumenwiese die Blühpflanzen auch noch nach Jahren bestehen und müssen nicht mit einer regelmäßigen Nachsaat erneuert werden.

Aus diesen Gründen hat das Gartenbauamt ein neues Wiesenmahdkonzept entwickelt, mit dem der Artenreichtum von Blumenwiesen für Insekten alleine durch ein geändertes Mähregime gefördert wird. Dieses Jahr wurden im gesamten Stadtbereich über 60 Testflächen ausgewiesen, auf denen im Rahmen eines Pilotversuches verschiedene Mahdmuster ausprobiert werden, um öffentliche Wiesenflächen für die Insekten zurückzugewinnen. Zwei Testflächen befinden sich in Wolfartsweier:

  • an der B3 in der Nähe der Kreuzung Tiefentalstraße und Steinkreuzstraße und
  • auf der Freizeitanlage Zündhütle an der Badener Straße.

Im Rahmen der Vergabe der Pflegearbeiten für die Jahre 2022-2025 werden circa 60 ha Wiesenflächen auf die naturnahe Mahd zur Förderung der Biodiversität umgestellt. Im Zuge der Neuausschreibung der Pflegeleistungen werden zusätzlich zu den zwei Testflächen noch weitere Grünflächen in Wolfartsweier in den neuen Pflegeauftrag für die naturnahe Mahd aufgenommen.

Im Weiteren extensiviert die Abteilung Gartenbau beim Stadtamt Durlach laufend die Pflege der öffentlichen Grünfl.chen in Durlach und in den umliegenden Ortsteilen. Dieses Jahr wurden die Böschungen an der L632 und B3 nur noch einmal gemäht, mit dem positiven Resultat, dass sich viele insektenfreundliche Wildkräuter gut entwickelt und bis in den Juli geblüht haben. Aufgrund der Trockenheit sind leider auch diese Wildkräuter weitgehend verdorrt.

1. Hat das Fachamt diese Flächen schon untersucht?

Basierend auf den differenzierten Erfahrungen mit Blühfl.chen wurden die Ortsteile der Stadt Karlsruhe nur mit einzelnen Begehungen und nicht systematisch nach potentiellen Blühwiesenfl.chen abgesucht. Die in der Anfrage thematisierten Grünfl.chen in der Wettersteinstraße oder entlang der Steinkreuzstraße sind sehr artenarm und verfügen auch im Boden nicht über ein entsprechendes Samenpotential. Durch ein verändertes Mahdregime lassen sich hier kurz und mittelfristig keine Blühfl.chen entwickeln.

In Frage käme lediglich die Neuansaat von Blühfl.chen, was aber – wie in der Vorbemerkung dargestellt – aufgrund der geringen ökologischen Wertigkeit und des gleichzeitig hohen Unterhaltungsaufwandes seitens des Gartenbauamtes nicht empfohlen werden kann. Insbesondere der Wert für die heimische Insektenfauna solcher Flächen ist als gering einzuschätzen.

2. Gibt es weitere Flächen, die geeignet scheinen?

Im Ortsteil Wolfartsweier haben folgende Grünfl.chen das Potential, sich durch ein verändertes Mahdregime zu artenreichen Blühwiesen weiterzuentwickeln:

Zusätzlich zu den unter Vorbemerkungen angegebenen Flächen werden folgende Flächen in die Planung des geänderten Mahdregimes aufgenommen:

  • an der Umgehungsstraße B3 Wolfartsweier und
  • an der Albert-Einstein-Str. an der Trafostation

3. Wie stellt sich der Pflegeaufwand gegenüber einer normalen Rasenfläche dar?

Heute werden die Grünfl.chen 3-6x jährlich gemäht. Jeder qm Grünfl.che kostet durchschnittlich 5 Cent pro Mähgang.

Bei einer extensiven Wiesenpflege nach dem neuen Mahdkonzept des Gartenbauamtes fallen durchschnittlich 2 Mähgänge pro Jahr à 25 Ct pro qm an. Dabei ist bereits mit einkalkuliert, dass jeweils nur ein Teil der Fläche (z.B. bei Streifenmahd) tatsächlich gemäht wird. Die Neuanlage von Blühfl.chen wäre dagegen deutlich aufwändiger (Neuansaat, notwendige Bewässerung, regelmäßige Erneuerung und Nachsaat nach 2-3 Jahren). Außerdem wären sie - auch wenn optisch ansprechend - für die heimische Insektenwelt von geringem ökologischen Wert.

 
 

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